Kreis stoppt Planungen für das neue Krankenhaus Herrsching-Seefeld/Gutachten soll herausfinden, welche Kliniken im Kreis Bestandsgarantie haben/Kreiseigene Kliniken müssen an Leiharbeitskräften sparen///
„Natürlich gehe ich davon aus, dass die Schindlbeck-Klinik auch in 10 Jahren noch hier am Ammersee steht“, sagte Robert Schindlbeck im Oktober 2021 während eines Interviews mit herrsching.online. In den Ohren des Landrats und des Bürgermeisters war das der Zweckoptimismus eines Mannes, der um das Lebenswerk seines Vaters kämpft. Nach der historischen Pressekonferenz am Dienstag klingt der Schindlbeck-Satz wie eine Weissagung: Wie berichtet, gaben Landrat Stefan Frey und der Chef der Starnberger Kliniken GmbH, Dr. Thomas Weiler bekannt, dass die Planungen für das neue Krankenhaus Herrsching-Seefeld gestoppt wurden, oder um es mit den Worten von Stefan Frey zu sagen: „Das Bebauungsplan-Verfahren in Herrsching wird ruhend gestellt.“ Der Klinikplan in Herrsching werde so nicht weiter verfolgt. Unverwüstlichen Optimismus äußerte der Kliniken-Chef Weiler: „Ich bin zuversichtlich, dass die Herrschinger Klinik doch gebaut wird.“ Darauf Landrat Frey mit sehr ernster Miene: „Da lege ich mich nicht fest.“
Den Notstopp-Knopf hatten Frey und der Kreistag gedrückt, nachdem am 12. Mai dieses Jahres klar wurde: Das Gesundheitsministerium in München hält die laufenden Planungen für die neue Klinik Herrsching in dieser Form nicht für realisierbar. Die Gründe dafür stehen in einem Eckpunkte-Papier des Bundesgesundheitsministeriums, in dem von 60 Leistungsgruppen für künftige Kliniken die Rede ist. Ob eine neue Klinik Herrsching-Seefeld mit den 180 plus 10 Betten die Anforderungen der Krankenhaus-Reform erfüllen würde, weiß bisher noch niemand. Die neue Klinik in Herrsching, die eigentlich schon 2029 ihren Betrieb aufnehmen sollte, würde nach bisherigen Zahlen rund 250 Millionen Euro kosten. Einen Großteil dieser Summe müssten Bund und Land übernehmen. Der Geschäftsführer der Starnberger Kliniken GmbH, Weiler, geht aber davon aus, dass Gesundheitsminister Lauterbach 30 bis 40 Prozent aller bestehenden Krankenhäuser für entbehrlich hält.
Auf die Frage, ob der plötzliche Planungsstopp nicht auch mit der prekären Finanzsituation des Kreises zu tun habe, berichtete der Landrat über das zweistellige Millionendefizit, das die kreiseigenen Kliniken in Starnberg, Herrsching, Seefeld und Penzberg verursachen. „Corona und der entsetzliche Krieg mit den explodierenden Energiekosten haben die Kliniken tief in die roten Zahlen geführt.“ Deshalb, so war zwischen den Worten zu lesen, ist eine millionenschwere Investition in einen Neubau kaum zu stemmen – zumal das neue Gymnasium in Herrsching um mindestens 20 Millionen teurer wird und vermutlich über 100 Millionen Euro kostet.
Zwischen 2006 und 2018, in den goldenen Zeiten florierender Krankenhäuser, hätten die Kliniken des Kreises 60 Millionen an Investitionen selbst gestemmt, sagte Dr. Weiler. Heute hängen sie am Tropf des Kreishaushaltes.
Wie es nun mit den kreiseigenen Kliniken weitergeht, soll nun ein Gutachten klären, das vom Landratsamt in Auftrag gegeben wird. Diese Analyse der Krankenhausversorgung im Landkreis wird darüber Auskunft geben, welche Krankenhäuser welche Leistungen erbringen sollen, welche Häuser Notaufnahmen anbieten oder sogar geschlossen werden. Auch möglich, dass Abteilungen wie Innere Medizin, Chirurgie und Orthopädie, Handchirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Pädiatrie/Neonatologie, Urologie und Anästhesie wie auf dem Schachbrett neu verteilt werden, damit teure Doppelstrukturen vermieden werden.
Eine gewisse Überlebensgarantie für die Kliniken Herrsching und Seefeld kommt ausgerechnet aus Starnberg: Für das STA-Klinikum wird demnächst eine gesetzlich vorgeschriebene Generalsanierung fällig. Und dafür müssen während der Runderneuerung 100 der 312 Starnberger Betten zeitweise stillgelegt werden. Wenn nun Herrsching vorher abgeschaltet würde, entstünde eine große Versorgungslücke.
Ob in Herrsching allerdings noch eine Notaufnahme angeboten wird, hängt auch mit der Ausstattung der Klinik zusammen. Kliniken-Chef Dr. Weiler: „Eine Notaufnahme macht nur Sinn, wenn es in dem Krankenhaus auch ein OP-Team gibt, das Tag und Nacht einsatzbereit ist.“ Wenn die Notaufnahmen im Kreis aber aus Kostengründen reduziert werden, brauche man, so Weiler, mehr Notarztstandorte: „Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen geht es um Minuten.“
Die oder der Gutachter wird sich vermutlich auch die Nachbarkreise und deren Notaufnehmen anschauen – und dabei vielleicht auf unschöne Gedanken kommen. Nahezu alle Landkreise der Umgebung hätten nur eine Notaufnahme. Da sei man im Kreis Starnberg doch üppig ausgestattet.
Richtig verärgert wirkte der Landrat beim Blick auf die angefallenen Planungskosten für das neue Haus in Herrsching: Eine Million sei bisher investiert worden, möglicherweise eine verlorene Million. Geld für die Grundstücke wurde noch nicht ausgegeben: „Wir haben uns nur Optionen gesichert, die zeitlich begrenzt sind.“ Er beklagte, dass von oben die Ansagen kommen und die Kreise und Kommunen müssten das dann ausbaden.
Auf jeden Fall, so Frey, müssen die Kliniken in der Kreis-GmbH künftig sparen – vor allem an den teuren Leiharbeitskräften. Dabei müsse man gleichzeitig die Qualität des medizinischen Angebotes steigern, um sich für die anstehende Krankenhaus-Reform gut aufzustellen.
Sparen und bessere Leistungen bringen – das klingt nach der Quadratur des Kreises.





Großprojekte (Schulen, Krankenhäuser usw.) sind zur Zeit offensichtlich aus Kostengruendengründen ein Problem. Wenn unser Landrat aus diesem Grund den Klinikbau ruhen lässt und alles nocheinmal durchgerechnet wird, dann kann ich das als Landkreisbuergerin schon gut verstehen.
Das Land hat keinen Rat und braucht einen. Die wichtigste Aufgabe der Politik, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, erfüllt sie nicht. Bund, Land und Kommunen machen ihren Job nicht einmal mangelhaft. Die agierenden Personen sind für mich unwählbar. Dabei sind die erstarkenden Extremparteien ein Indiz für die überbordende Unzufriedenheit der Bevölkerung aber keine Lösung. Vision, Ziele, Strategie und exzellenter Charakter sind Eigenschaften für mich wählbarer Persönlichkeiten.