Uli Spindler beim Thesenanschlag am Portal der Nikolauskirche in Herrsching

„Missbrauchsfälle weltweit unter das päpstliche Geheimnis gestellt“

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Die Sprecherin der Herrschinger Gruppe Maria 2.0, Uli Spindler, nimmt mit einem Brief an die Leser von herrsching.online Abschied vom deutschen Papst. Es ist ein Abschied, der fast einer Abrechnung gleichkommt. „Benedikt hinterlässt viele Reformbaustellen.“ Uli Spindler hat aber Hoffnung für ihre Kirche: „Papst Franziskus II. ist nun befreit vom Schattenpapst.“ Er könne nun überfällige Reformen umsetzen und sich besser gegen die reformblockierenden Kurienkardinäle, die in „Papst emeritus“ eine große Stütze hatten, durchsetzen, hofft sie in diesem Text.

„Für mich war Joseph Ratzinger ein sehr bescheidener, bodenständiger und integrer Mensch, ein beeindruckender,  aber „widersprüchlicher“  Theologe, der die römisch-katholische Kirche entscheidend seit dem Zweiten Vatikanischem Konzil mitgeprägt hat und leider gravierend an dem heutigen Zustand der römisch-katholischen Kirche mitverantwortlich ist.

Er hat besonders während seiner langjährigen (23 Jahre) Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation rückwärtsgewandte Erlasse und Entscheidungen maßgeblich mit beeinflusst und damit für einen theologischen und pastoralen Stillstand, ja Rückschritt, gesorgt.  Selbst seine weitsichtige und historisch signifikante Entscheidung, vom Amt des Papstes 2013 zurückzutreten, und die Aufgabe einem „jüngeren“ Papst zu überlassen, beschädigte er indem er sich als „Papst emeritus“ trotz anders lautender Versprechen immer wieder in sehr fragwürdiger Weise unaufgefordert zu Wort meldete.

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) brachte sich Joseph Ratzinger als junger, Theologe und Berater reformorientiert mit ein. Diese Haltung änderte er jedoch in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation unter Papst Johannes Paul II. (1982 – 2005) und als Papst Benedikt XVI. (2005 – 2013).
In seine Wirkungszeit fallen unter anderem Lehrverbote für Vertreter der Befreiungstheologie (zum Beispiel Leonardo Boff), Ausgrenzung der Frauen in der Kirche, Irritationen im ökumenischen Dialog mit den Kirchen der Reformation („Dominus Jesus“, 2000), das Vatikan-Papier gegen homosexuelle Lebensgemeinschaften (2003), die Veröffentlichung des „Weltkatechismus“ (1992), der in zahlreichen Aussagen nicht dem Stand der heutigen Exegese und theologischen Ethik entspricht und ein Erlass (2001) alle Missbrauchsfälle weltweit unter das „päpstliche Geheimnis“ zu stellen. Dieser fatale Erlass wurde erst durch Papst Franziskus II. wieder aufgehoben.
All diese Entscheidungen und Erlasse (sie sind nur eine exemplarische Auswahl) haben mit zu der dramatischen Glaubenskrise beigetragen, in der wir uns heute befinden.
In diese Reihe verstörender Entscheidungen und Positionen reiht sich auch seine unglaubwürdige Stellungnahme zum zweiten Münchner Missbrauchsgutachten ein, die ihm, der den Bischofswahlspruch „Mitarbeiter der Wahrheit“ gewählt hatte, als Mensch und Theologen, aber auch dem Bischofs- und Papstamt nachhaltig geschadet hat.

Es ist sehr tragisch, dass eine Person, die so sehr im Glauben an Gott verankert war und für die Kirche nur „Gutes“ im Sinn hatte (im Rahmen seiner Sicht der Theologie), seinem Nachfolger ein so schweres Erbe mit so vielen Reformbaustellen hinterlässt.

Ich habe die Hoffnung, dass Papst Franziskus II. nun befreit vom „Schattenpapst“ überfällige Reformen umsetzen kann und sich besser gegen die reformblockierenden Kurienkardinäle, die in „Papst emeritus“ eine große Stütze hatten, durchsetzen kann. Dass er die Synode 2019 – 2024 zu einem Erfolg macht und die weltweiten Rückmeldungen und Forderungen nach tiefgreifenden Reformen ernst nimmt und verwirklicht.„

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