Die Gemeinde Herrsching investiert im nächsten Jahr rund 12 Millionen, nimmt 3,4 Millionen neue Schulden auf – und Ende 2023 könnten in der Gemeindekasse trotzdem noch 88 000 Euro liegen. Kunststück? Nicht ganz: Das Rathaus erhöht die Gewerbesteuern, die Zweitwohnsitzsteuer – und die Hundesteuer. Außerdem wird ein Gemeindegrundstück für etwa 685 000 Euro verkauft. Die Kämmerin der Gemeinde, Myriam Goodwin, stellte im Gemeinderat einen Haushalt für 2023 vor, um den sie der Bundesfinanzminister beneiden würde – nicht wegen der absoluten Zahlen, sondern wegen des soliden Schuldenstandes: Jeder Herrschinger Bürger hat statistisch etwas über 300 Euro öffentliche Schulden.
Die beste Nachricht in düsteren Zeiten: „Herrsching bleibt handlungsfähig“, sagte die Kämmerin Myriam Goodwin nach der Vorstellung des Haushalts ’23, und das trotz satter Investitionen: Rund 12 Millionen Euro investiert die Gemeinde.
• Das Kinderhaus am Fendlbach wird im nächsten Jahr 6,9 Millionen verschlingen (Gesamtkosten: 9 Mio)
• Die Christian-Morgenstern-Schule braucht für
– den Pausenhof eine Million Euro
– für die Sanierung des Altbaus 200 000 Euro
– für Parkplätze und Fahrradständer 60 000 Euro
– für die Ausstattung einzelner Klassen mit Tablets 50 000 Euro.
• Die Mühlfelder Straße, Herrschings großes Euro-Grab, kostet noch einmal 450 000 Euro (Kostenbeteiligung und Bushaltestelle)
• Die Feuerwehr braucht für neue Brandschutzkleidung, einen Versorgungs-LKW, digitale Alarmierung und Kostenbeteiligung am Rettungsboot 433 000 Euro
• Die Kostenbeteiligung von 10 Prozent an den Baukosten fürs Gymnasium schlägt mit 420 000 Euro zu Buche
• Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung kostet weitere 400 000 Euro
• Der Bauhof bekommt einen neuen Unimog (166 000 Euro), einen Radlager (105 000 Euor), ein Universal und ein Mähwerk, auch für Blühwiesen geeignet (47 000 Euro)
• Der Zivil- und Katastrophenschutz verschlingt 255 000 Euro (Sturzflutrisikomanagement 120 000 Euro, Blackout-Gegenmaßnahmen 110 000 Euro, Sirenen 25 000 Euro)
• Der Bahnhof kostet mit zusätzlichem Grunderwerb (154 000 Euro) und der Sanierung des Gebäudes (100 000 Euro) zusammen 254 000 Euro
• Das Bauvorhaben „Bezahlbares Wohnen“, dessen Wohnungen rund 9,2 Millionen kosten, verschlingt ’23 etwa 200 000 Euro
• Das Verkehrskonzept kostet noch einmal 100 000 Euro.

Und wie will die Gemeinde diese Investionen bezahlen? Kämmerin Goodwin rechnet mit
– 9 Millionen aus der Einkommenssteuer
– 9,1 Millionen aus der Gewerbesteuer, deren Hebesatz von 300 auf 320 Prozent steigt
– 1,7 Millionen kommen aus den Grundsteuern A und B
– 0,7 Millionen aus dem Familienausgleich
– 0,3 Millionen aus der Zweitwohnungssteuer
– und 0,05 Millionen aus der Hundesteuer
Ergibt unterm Strich Steuereinnahmen von 3,4 Millionen. Aus sonstigen Quellen – zum Beispiel einem Grundstücksverkauf, schöpft die Gemeinde noch einmal 2,9 Millionen.
Die Aufwendungen belaufen sich auf 14,1 Millionen. Gute Nachricht von der Kreisumlage: Sie wird, entgegen der pessimistischen Einschätzung des Bürgermeisters, der einmal von 9,5 Millionen sprach, bei 9 Millionen liegen. Das sind 53,95 Prozent.
Die Personal- und Versorgungszahlungen machen 20 Prozent des Haushalts aus: 5,4 Millionen wurden in den Haushalt eingestellt: Das sind dank Tariferhöhungen, neuen Halb-Stellen und Höhergruppierungen 100 000 Euro zusätzliche Kosten.
Aber nicht nur die Beamten und Angestellten des Rathauses, auch die Schulen, Vereine und die Kultur haben Wünsche an den Haushalt. So soll die Evangelische Kirche für den Innenanstrich und die Orgelsanierung 15 000 Euro erhalten, der Verein „Wir schaffen das“ wird mit 6 900 Euro unterstützt, die Wildschütz’n bekommen 10 000 Euro für eine Schießanlage und die Sportfreunde Breitbrunn erhalten für die Flutlichtanlage 10 000 Euro. Dass der TSV Herrsching im Gemeinderat sehr gut vertreten ist, lässt sich auch am Haushalt ablesen: 50 000 Euro sollen für eine sogenannte Soccerbox eingeplant werden. Und für einen Festsaal in der alten Nikolauskirche könnten in den nächsten 2 Jahren 400 000 Euro aus dem Gemeindehaushalt fließen. Wer die drangvolle Enge im Kurparkschlösschen miterlebt hat, wird diese Investition nicht als Verschwendung betrachten.




