Mit Ver-Laub

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Die Stadt Starnberg hat Laubbläser schon 2012 ausgemustert und rät Gartenbesitzern „dringend vom Gebrauch dieser Geräte ab”. In Herrsching aber sägen die Motorbesen immer noch an den Nerven der Bewohner und Benutzer. Herrschinger Bürger haben sich nach dem Artikel auf herrsching.online zu Wort gemeldet. Viel Freundliches fiel den Schreibern zu den Krachmachern nicht ein.   

herrsching.online hatte Bürgermeister Christian Schiller folgende Fragen zu den Gemeinde-Laubbläsern gestellt:

1. Sehen Sie technische Alternativen zu den benzinbetriebenen Laubbläsern?

2. Warum ist die Stadt Starnberg in Sachen Laubbläser kein Vorbild für Herrsching?

3. Gibt es rechtlich unproblematische Möglichkeiten, das Laub in bestimmten Bereichen außerhalb der Verkehrwege als Dünger einfach liegen zu lassen?

Der Bürgermeister versprach, die Fragen in der kommenden Gemeinderatssitung am 24. Oktober zu beantworten.

Hier nun die Bürger-Kommentare:

„Nach Verbot von Laubbläsern musste kein einziger Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden“

Die zweitgrößte Stadt in Österreich, Graz muss seit 2014 ohne Laubbläser auskommen. Damals setzte die Regierung der Steiermark ein Verbot der Geräte für die Stadt Graz sowie der Ortschaften Leibnitz und Kaindorf an der Sulm durch. Nicht nur wegen des Lärms, sondern weil die Uni Graz prognostizierte, die hohen Feinstaubwerte würden dadurch gesenkt. Die Gemeinde beschäftigte 200 Mitarbeiter für die Laub-Beseitigung, ohne die 30 Laubbläser glaubte man, 80 zusätzliche Kollegen einstellen zu müssen. Die Bilanz nach drei Jahren: Nicht einer kam hinzu, und in Graz ist es jetzt auch im Herbst still. Aus der Verordnung: „….Die Zuständigkeit für Kontrollen auf der Straße und auf privaten Liegenschaften liegt bei der Polizei. Übertretungen sind von der Bezirksverwaltungsbehörde zu bestrafen. Wer das Verbot der Inbetriebnahme von Laubbläsern und Laubsaugern nicht einhält, kann mit einer Geldstrafe bis zu € 2.180,– bestraft werden…“

Vor der Erfindung des Laubbläsers ca. 1970 und der weiten Verbreitung ab ungefähr der 1990er Jahre hat’s ja auch funktioniert. 

Konrad Herz, Herrsching

Dem Bauhof konkrete Vorgaben machen

Für dieses Jahr ist es leider wieder mal zu spät, den Einsatz der lärmenden Laub- und Staubschleudern zu thematisieren. Ich verstehe nicht, wieso die Stadt Starnberg kein praktikables Vorbild für Herrsching ist. Dem wiederkehrenden Herbstlaub ist es doch egal, wo es von den Bäumen fällt, aber uns Herrschingerinnen und Herschingern reicht’s jetzt! Wir lassen uns nicht mehr mit den ewig gestrigen Argumenten abspeisen. Wir Herrschinger Grüne werden uns weiterhin für die Menschen, die Tiere und Vögel aber auch die Kleinlebewesen, die darunter leiden, massiv einsetzen, dass diese Nervensägen endlich still sind. Benzingetriebene Geräte haben schon gleich gar keine Zukunft in einer Fossilenergie-freien Umwelt. Bis zur nächsten Herbstlaubsaison (besser schon zum Frühjahr) muß die Gemeindeverwaltung endlich entsprechend dem Vorbild Starnbergs dem Bauhof konkrete Vorgaben machen.

Willi Meyerhöfer, Breitbrunn

Vielleicht wird der Benzinpreis Gutes tun?

Wenn einer dieser Lärmschleudern in einem von Schottergärten noch verschonten Winziggarten beginnt zu lärmen, gibt es im Umfeld kein Halten mehr. Jeder holt sein Gerät aus dem Schuppen. Und dann kommt Freude auf, wenn Tiere und Menschen flüchten, die Kleinsttiere sogar sterben müssen.
Vielleicht wird dieses Jahr der hohe Benzinpreis Gutes tun? Zu hoffen ist es. In vielen Ländern ist er verboten, dieser unselige Laubbläser! Dürfen wir hoffen?

Ingeborg Donhauser, Widdersberg

Schwerhörigkeit ist keine Bagatelle

Arbeiter des Bauhofs Herrsching haben in Breitbrunn an der Münchener Straße und dem Franz-Utz-Weg zwei Stunden das Laub von den Gehwegen weggeblasen. Da der betreffende Laubsaugerarbeiter keinen Gehörschutz trug, denke ich, dass da Gehörschutzmassnahmen dringend angeraten wären. Schwerhörigkeit ist keine Bagatelle. Aufklärung tut Not. Auch Menschen werden durch Laubsauger geschädigt.

Heidi Körner, Breitbrunn

Laub von links nach rechts geblasen

Ohne Sinn und Verstand führt der Bauhof hier einen Auftrag der Verwaltung aus. Bei uns in der Straße sind sie zu zweit ausgerückt, um ein paar Blätter Laub vom Berg runterzublasen. Auch Spaziergänger nach Andechs haben sich beschwert, dass teilweise auf Schotterwegen im Wald das Laub von links nach rechts geblasen wird. Ich möchte in der kommenden Klausur nichts von knappen Haushaltsmitteln hören.

Alexander Keim, Gemeinderat in Herrsching

„Laub trägt zur Mineral- und Bodenbildung bei“

Abgesehen von den bisher genannten Nachteilen durch den Laubbläsereinsatz wird die dringend notwendige autochthone Bodenbildung verhindert, wenn das Laub aus dem Naturkreislauf wie Abfall behandelt wird. Speziell am Landungssteg liegen die Wurzeln der großen Bäume zunehmend frei und wären dankbar für eine Laubdecke. Auch hier wurde in den letzten Jahren mit Hingabe laubgebläsert. Die Standfestigkeit der Bäume erhöht das nicht. Wenn man noch den Einsatz der LKW hinzurechnet, die später die zusammengeblasenen Laubberge entfernen, wird die CO2-Bilanz endgültig kritisch.
Warum kann das Laub außerhalb der Gehsteige nicht einfach liegenbleiben, wie  auch in der Gemeinderatssitzung vom 23. Mai diesen Jahres intendiert? Sollten nicht Bereiche definiert werden, in denen das Laub einfach am Ort verrotten kann und so zu Mineral-und Bodenbildung beiträgt? Das Denken in Kreisläufen ist notwendiger denn je, und da ist der Laubbläsereinsatz nur ein Aspekt.

Christine Voit

Fakten zum Herbstlaub, zusammengetragen von BR 24 (Bayerischer Rundfunk):

Laubsauger und -bläser sind zwar nicht verboten, aber für die Ohren eine reine Qual: Sie werden zwischen 90 und 120 Dezibel laut und machen damit so viel Krach wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer. Das Umweltbundesamt und Umweltschützer etwa vom Nabu raten davon dringend ab, Laubsauger und -bläser zu verwenden, denn sie seien laut, schmutzig und gefährlich für Tiere und die Gesundheit. Geräte mit Verbrennungsmotor erzeugen zudem Luftschadstoffe, die meist ungefiltert in die Umgebung geblasen werden. Am Boden und im Laub lebende Mikroben, Pilze und Tierkot werden durch solche Gartengeräte fein in der Luft verteilt, was vor allem für die Benutzer gesundheitlich bedenklich ist.

Wenn ein Laubsauger- oder bläser kleine Tiere erwischt, haben Käfer, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln und Amphibien keine Chance. Durch den Sog, bei dem Luftgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern und Saugleistungen von etwa zehn Kubikmetern pro Minute erzeugt werden, werden die Tiere getötet und bei Geräten mit Häckselfunktion zerstückelt.

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