Politiker, die gerne etwas alarmistisch unterwegs sind, haben schon Hunger, Kälte und Unruhen für den Winter vorhergesagt. Wie aber geht’s den Leuten, die wirklich jeden Keks zweimal umdrehen müssen? Die Leiterin der Herrschinger Tafel, Karin Bauer, kennt die Not mancher Herrschinger Bürger besonders gut. herrsching.online hat sie gefragt, ob sie Angst vor dem Winter hat und wie man Bedürftigen besonders helfen kann.
herrsching.online: Hat Ihnen die Energiekrise noch mehr Kunden beschert?
Bauer: Es kommen jetzt allmählich einige neue Kunden dazu. Und das wird sich noch verstärken, da bin ich ganz sicher.
herrsching.online: Eine Krise jagt die nächste, und sie verstärken sich gegenseitig. Welche macht Ihnen und Ihren Kunden am meisten Sorgen?
Bauer: Alle. Die Lebensmittel sind teurer geworden, die Energie wird teurer, und Corona ist auch noch nicht ausgestanden.
herrsching.online: Hat die Spendenbereitschaft der Geschäfte in Herrsching und Umgebung abgenommen, oder spüren Sie noch keine Lieferzurückhaltung?
Bauer: Bei den Lebensmitteln aus den Geschäften spüren wir noch keinen Rückgang. Das kommt auch immer darauf an, was übrig bleibt.
herrsching.online: Wieviele Leute kommen zu Ihnen?
Bauer: Bei uns sind 60 Haushalte gemeldet.
herrsching.online: Welche Güter sind besonders begehrt?
Bauer: Die, die man am wenigsten bekommt, zum Beispiel Butter oder Kaffee oder Wurstwaren. Solche Güter geben wir jedes Vierteljahr wieder aus.
herrsching.online: Rechnen Sie im Winter mit einem verstärkten Andrang?
Bauer: Ja. Da werden dann auch Leute kommen, die sich jetzt noch schämen. Und Kleinrenter und Hartz-4-Bezieher, die bisher mit ihrem Geld ausgekommen sind. Könnte sein, dass das Geld dann im Winter wirklich nicht mehr reicht. Und es werden im Winter auch die ukrainischen Flüchtlinge wieder vermehrt kommen. Nicht, weil mehr Flüchtlinge ankommen, sondern weil einige eine Wohnung gefunden haben. Und die können dann auch zu uns kommen.
herrsching.online: Wie können Ihnen Herrschinger Bürger noch mehr helfen?
Bauer: Helfen kann man uns immer mit Lebensmittelspenden…
herrsching.online: … welche Mindestvoraussetzungen müssen die erfüllen?
Bauer: Wir brauchen besonders haltbare Lebensmittel. Frische Lebensmittel bekommen wir jeden Mittwoch. Haltbare Lebensmittel können wir dann auch für den Winter einlagern. Dazu zählen Nudeln, Reis, Kaffee, Schokolade, Marmelade, Dauerwurst, Wurst in Dosen oder Gläsern, Fischkonserven.
herrsching.online: Wann kann man die anliefern?
Bauer: Mittwochs von 11 bis 15 Uhr sind wir immer zu erreichen. Oft bekommen wir auch Spenden im kleineren Rahmen, wenn zum Beispiel ein Kind Geburtstag hatte und viele Süßigkeiten übrig bleiben. Darüber freuen sich die Kunden sehr.




