Das vergangene Jahr 2022 in Herrsching/Ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse//
Giftalarm am Kienbach: Nach missglückten Versuchen, aus dem Bächlein Proben zu ziehen, gelang dem Wasserwirtschaftamt dann doch der Nachweis: Der weiße Schaum im Wasser enthält PFC (Perfluorierte Kohlenwasserstoffe). Eine Augenzeugin, die den Prozess erst in Gang gebracht hatte, berichtete herrsching.online im Juli:
„Ich kam mir schon vor wie eine hysterische Alte, die den Behörden auf die Nerven geht“, sagt die Herrschingerin Angelika Preisinger, „aber es ist einfach unfassbar, dass man so lange kämpfen muss, bis Bewegung in die Sache kommt.“ Die „Sache“ ist weiß bis grau, baut sich zu kleinen Schaumfetzen auf und fühlt sich fettig an. Ein Fischsterben im Kienbach, vermutet sie, hat bereits stattgefunden: Seit letzten September sieht sie keine Forellen mehr im Bach. Als Ursache steht eine giftige Chemikalie im Verdacht: Das Wasserwirtschaftsamt teilte mit, dass die weißen Schaumkronen im Wasser PFC (Perfluorierte Kohlenwasserstoffe) enthalten haben. Dies habe das Landesamt für Umwelt in Augsburg in einer Wasserprobe herausgefunden. Der Grenzwert für PFC im Wasser sei erheblich überschritten worden. Die Wasserprobe hatte das Wasserwirtschaftsamt im Juni aus dem Bach entnommen. Die Behörde hatte in 4 Flaschen Schaumproben genommen.

Dass es bis Juni dauerte, bis das Amt Analyse-geeignete Wasserproben entnommen hat, ist für Angelika Preisinger unverständlich: „Schon im letzten Februar haben wir die Polizei, das Landratsamt Starnberg und das Wasserwirtschaftsamt über die verdächtigen Schaumkronen informiert.“ Offensichtlich gab es ein Kompetenz-Gerangel zwischen Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt. „Immer wieder nach Starkregen haben wir die weißen Schaumkronen gesehen. Es erschien uns so, als kippe der Verursacher nach heftigen Regenfällen die Chemiebrühe in den Bach, damit sie möglichst schnell abfließt und ordentlich verdünnt wird.“
In dem kurzen Video oben fließt bräunliches Wasser – hier handelt es sich vermutlich um Huminsäure-haltiges Wasser. Diese Säuren bildet sich durch partiellen Abbau von Resten abgestorbener Lebewesen im Boden. Sie erfüllen in Humusböden eine wichtige Funktion als Biofaktor und Speicher für basische Stickstoffverbindungen.
Die Schaum-Wolken, die Angelika Preisinger entdeckt hat, sind dagegen weiß bis grau und nicht bräunlich. Die Umweltbeauftragte der Gemeinde, Franziska Kalz, die von der Polizei kontaktiert wurde, vermutete denn auch, dass es sich bei der Schaumbildung um natürliche, aus dem Boden ausgeschwemmte Stoffe handle.
Am Mittwoch berichtete ein Anlieger des unteren Kienbachs, dass er 2 tote Fische im Bachbett gesehen habe. Ob dies mit einer eventuellen Verunreinigung im Zusammenhang steht, ist reine Spekulation. Da der Bach zur Zeit sehr wenig Wasser führt, könnte der Tod der Fische auch andere Ursachen haben.
Wie der Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim, Stefan Raab, herrsching.online mitteilte, werden noch weitere Proben entnommen – angeblich sogar im Ammersee.
Unter dem Begriff PFC, sagt der promovierte Chemiker und Gemeinderat Rainer Guggenberger, finden sich Tausende von Verbindungen, die für viele Anwendungen in der Industrie eingesetzt werden. PFC finden wegen ihrer besonderen Eigenschaften – wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil – in vielen Verbraucherprodukten wie Kochgeschirr, Textilien und Papier Anwendung. Das Bundesumweltamt berichtet auch von Anwendungen in Feuerlöschschäumen, Wachsen/Schmiermitteln (z.B. Skiwachse), Pestiziden und Baustoffen (in Wetterschutzfarben und – lacken).
Im Menschen binden PFC wie zum Beispiel Perfluoroktansäure Proteine in Blut, Leber und Niere. Besonders kritisch zu bewerten sei die Weitergabe der PFC von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit. Epidemiologische Studien ließen den Schluss zu, dass diese Stoffe eine verringerte Antikörperantwort auf Impfungen bewirken können, schreibt das Bundesumweltamt. Das Krebsrisiko sei bisher noch nicht bewiesen.




Zur allgemeinen Information:
Seitens der PI Herrsching wird zum Verdacht der Gewässerverunreinigung ein Ermittlungsverfahren gem. § 324 StGB unter dem Aktenzeichen BY1213-004521-22/3 geführt.