Die (Kunst-)Rauschmittel-Vermittler Martin Piehler, Catharina Geiselhart und Kulurvereins-Chef Heinz Hellerer sind glücklich über den großen Erfolg der Biennale '23

Fast 1000 Augenpaare ruhen auf der Kunst

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Der Kunstrausch am Wochenende brachte fast 1 000 Kunstsinnige auf die Beine: Die Kuratorin Catharina Geiselhart bewertete die Ausstellung im Kurparkschlössl, die Kunstwanderung zu den Schaufenstern in Herrsching und die Aktion Offene Ateliers als „großen Erfolg“. Alle 2 Jahre veranstaltet der Kulturverein die Biennale Kunstrausch. 29 Künstlerinnen und Künstler hatten in diesem Jahr die Einladung zur Ausstellung im Schlösschen angenommen. 23 Geschäfte in Herrsching schafften im Schaufenster Platz für Exponate der Ammersee-Kunstszene. Und 18 Ateliers öffneten am Wochenende die Tore für Besucher.

Vorstellung der Künstlerinnen und Künstler der Kunstrausch-Ausstellung. Quelle: Kulturverein Herrsching

Catharina Geiselhart führte bei der Vernissage am Freitagabend mit einem Picasso-Zitat ins Thema ein: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Dann stellte sie die Ausstellenden vor, die sich dem Publikum präsentierten:

„Im Kienbachzimmer im Erdgeschoss empfängt die großformatige Arbeit von Oliver Winheim. Die außergewöhnliche und zeitaufwendige Technik Acrylfarbe, Emulsion und Vinyl in unzähligen Schichten nacheinander aufzutragen, lädt zur genauen Betrachtung des Werks ein, das mit seiner Rasterung und den inselartigen Flächen an eine Landkarte erinnert.

Für die Arbeit von Marianne Schweigler gilt: „Weggeschmissen und nicht beachtet – aufgehoben und zu Neuem erweckt.“ Ihr Blumenstrauß aus historischen Schraubarmaturen, durch fröhliche Farbgebung zu neuem Leben, zu neuer Bedeutung erweckt, zaubert ein Lächeln unser Gesicht.

Der Bildhauer Jürn Ehler fertigt seine Skulpturen mit der Motorsäge aus einem Stück. Dabei gelingt es ihm, die Starrheit des Materials aufzulösen und dem Werk – im wahrsten Sinne des Wortes – Flügel zu verleihen, die untrennbar und doch beweglich im Stamm verbunden sind. Die kräftige, farbige Fassung unterstreicht die Assoziation eines geflügelten Wesens.

Ulrike Jacklins „Mimi II“, gehauen aus einem Fundholz mit gewachsenen Eigenheiten und Fehlstellen, steht in sich ruhend mit stiller Präsenz im Raum. Der lebendige Duktus des Stechbeitels lässt die Oberfläche der Skulptur vibrierend erscheinen und loht einer genaueren Betrachtung.

Über die Vibration der Oberfäche geht’s direkt zu der Arbeit von Christina Kastner-Stöhr gen. Touti. Der Crystal Print „La dame – wohin“ gehört zu den Vibes der Künstlerin, die „Schwingungen von Wasser, Luft, Menschen, Feuer, Licht und Feinstoffliches“ fotografiert.

Auf dem Weg ins erste Obergeschoss thront in der abgehängten Fensternische des Treppenaufgangs das altmeisterlich gemalte Werk von Nikolai Holzach. Es fordert dazu auf, schon oft Gesehenes in einen neuen Kontext versetzt, zu betrachten.

Im Kaminzimmer werden die Besucher von den Zeitkapsel-Projektionen aus der Serie Kosmos von Katharina Ulke empfangen. Die mit Ölfarben auf Holzscheiben mit verschiedenen Durchmessern gemalten Arbeiten lassen an unseren Planeten Erde, im Weltraum schwebend, aus der Sicht eines Astronauten in einer Weltraumstation denken.

Wenden wir uns nach rechts, treten wir der monumentalen Arbeit von Aylin Neuhofer gegenüber. Auf einer Stoffbahn hat die 1989 geborene Künstlerin verschiedenste Materialien und Farben überlagernd kombiniert. „MZUNGU“ ist das Swahili Wort für „WHITE PERSON“. Das Werk ist eigentlich Teil einer Rauminstallation, die sich kritisch mit der Apardheit in Südafrika auseinandersetzt.

Das querformatige Stillleben mit Totenkopf von Richard Bierl greift das Thema des MEMENTO MORI -bedenke das Du sterblich bist- in vitalen Farben auf und leitet weiter zu der Arbeit von Susanne Hauenstein: „Mögen alle Wesen glücklich sein“ ist eine farbenfrohe Komposition, in der die Farbflächen durch einen schwarzen Rand abgegrenzt erscheinen, wie bei einem bleigerahmten Buntglasfenster. In der fast monochromen Acrylmalerei „Wohin des Weges“ kann man den gewundenen, geheimnisvollen, labyrinthischen Wegen von Günter Stiegelmaier folgen.

Die solitär und monumental vergrößert auf weißem Grund stehende rote Blume – der „Korallenstrauch“- von Eva Ehlers erfasst unsere Aufmerksamkeit ganz von selbst. In der Arbeit „Seitenblick“ des Bildhauers Martin Piehler finden wir Skulptur und malerische Zeichnung vereint. Das Motiv dehnt sich über den Bilderrahmen hinaus und wird dadurch zu einem dreidimensionalen Relief.

Dann wird man von Edith Steiners „Turbulenzen“ erfasst. Einer wirbelnden Acrylmalerei mit energiereichem Pinselschwung und blau-schwarz-roter Farbigkeit auf weißem Grund.

In dem Triptychon „Untiefen“ von Ulrike Steglich-Schaupp lassen sich in der farblich sehr differenzierten, blau-grünen Abstraktion Schiffsformen und Seeufer assoziieren. Raum wird geschaffen und in Frage gestellt. Eitempera und Acrylfarben handhabt Steglich-Schaupp meisterlich, um ihre Werke zu gestalten. 2022 wurde die Malerin mit dem Kulturpreis der Landkreises Starnberg für ihr Lebenswerk.

Präzise und gekonnt begleitet Leila Morgensterns aktivierte Linie „Lebensfreude“ als tanzendes Paar aus der Stellwandkoje wieder in den Raum hinein.

Die großformatige Farbarbeit „l’espace bleu“ von Beatrice Wolny deutet abstrakte Räumlichkeiten an, die ihre meditative Ruhe aus den wohlabgewogenen Kontrasten in Blau-Gelb und Hell-Dunkel gewinnen.

Als hätten sich die Künstlerinnen Caroline Weiss und Sadhya Sudhau zuvor abgestimmt, präsentieren sich ihre Werke farbensprühen und doch harmonisch nebeneinander. „Frauens Zuckerbuzzi“ wird von Sudhaus „Lets dance“ zum Farbreigen aufgefordert und die freudige Stimmung der Werke überträgt sich auf uns.

„My rainbow is going wild“ nennt Patricia Wolf ihre reliefartig texturierte Arbeit, die sie aus Wegwerfmaterialien zu einem neuen, in brillanten Farben leuchtenden Werk gestaltet hat.

„Der Wind der Veränderung“ von Gabriele Fellinger weht mit zarter Farbigkeit über die großformatige Leinwand. Mensch und Natur dienen der Malerin als Inspiration für ihre traumhaften, ins Surreale schweifenden Arbeiten.

Eva Carola Kellner ist eigentlich bekannt für ihre meisterlichen Aquarelle und überrascht uns heute hier in der Ausstellung mit ihrer Acryl-Collage „Wald im Mondlicht“ – einem abstrakt-irisierenden Farbrausch in Blau.

Im Dachgeschoss hängen Arbeiten von sechs weiteren Kunstschaffenden.

Frauke Maizets Collage in Acryl auf Leinwand entführt den Betrachter nach Ostra, in die Marken. Die charakteristischen Gebäude einer Siedlung sind mit nur wenigen schwarzen Linien in dem warmen, ockerfarbenen Gemälde treffend erfasst.

Die vier Blüten in japanischer sumi-e Tuschetechnik von Marka Paoli zeigen in ihrer meditativen Alleinstellung das konzentrierte Können der Künstlerin.

Der Fotografin Pe-Lin Neven Du Mont gelingt es in ihren Arbeiten, mit der analogen Fotografietechnik die Unmittelbarkeit des Moments im Motiv festzuhalten.

Die vier kalligrafischen Arbeiten zum Thema „Träume“ von Kathrin Balling erfordern einen neugierigen Blick aus nächster Nähe um ihren eigentlichen Inhalt zu offenbaren.

Thomas Sebening zeigt zwei farbige Werke in Aquatinta Tiefdrucktechnik aus seiner Serie „Bausteine“. Dabei geht es ihm um die Entdeckung von neuen Motiven durch die unterschiedliche Kombination und Drehung der immer selben Druckplatten, wie in der Natur durch immer dieselben Genbausteine Neues und auch Unerwartetes entstehen kann.

Die unikatären Holzschnitte und experimentellen Materialdrucke von Ulrike Gerd Hartmann geben einen Eindruck vom spielerischen Umgang mit der Hochdrucktechnik. Ganz im Sinne der Erkenntnis des Holzschneiders HAP Grieshaber „Drucken ist ein Abenteuer.“

Harald Trepte erlaubt abschließend mit seinem „Bankerl am See“ einen fast romantischen, wunderbar farbigen Ausblick auf den See.

Alle Werke der Ausstellenden senden eine Botschaft. Es entsteht ein Kommunikationsdreieck, bestehend aus dem Künstler, dem Werk und dem Betrachter. Das Kunstwerk als stummer aber emotionaler Initiator von Kommunikation. Auf diese Weise ist es Kunst möglich, „den Staub des Alltags von der Seele zu waschen“.

Mit dieser Vorstellung der 29 Künstlerinnen und Künstler ist Catharina Geiselhart ein Who is Who der Kunstszene Ammersee Ost gelungen.

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