Von Dr. Helene Falk///
Moore speichern große Mengen Kohlenstoff. Sie tragen zum Klimaschutz bei und bieten Lebensraum für berdrohte Tierarten. Um die Klimaziele zu erreichen, so haben es Experten vom BUND ausgerechnet, müsste auf vielen tausend Hektar Moorboden der Grundwasserspiegel angehoben werden, um die Klimaziele zu erreichen. Über dieses Thema haben im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil Experten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bauern und der BUND Naturschutz diskutiert.
Vor den mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Naturschutz und Landwirtschaft verwies Alfred Ringler, ein ausgewiesener Ökologe und Moorexperte, darauf, dass die Entwässerung der Moore Flächen im Sinne der Lebensmittelerzeugung urbar gemacht habe. Sie sei durchaus eine gewaltige Kulturleistung der früheren Landnutzung gewesen. „Und nun soll der Enkel die Drainagen, die der Großvater mühsam gebaut hat, wieder rausreißen“, umriss Ringler das Dilemma zwischen Naturschutz und bäuerlicher Produktion. „Gerade im Alpenvorland gibt es ein großes Potenzial an Moorflächen, die wiedervernässt werden könnten und die Landwirtschaft in ihrer Produktion nicht sehr einschränken. Die moorigen Flächen sind oft nur klein, in der Summe aber entsprechen sie der des bayerischen und schwäbischen Donaumooses“, erklärte Ringler.
Dr. Ulrich Mäck von der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos und verantwortlich für zahlreiche Wiedervernässungsmaßnahmen, konnte bestätigen, dass die Wiederherstellung von so großen Mooren eine langwierige Aufgabe ist. Die Vorbehalte gegen eine Wiedervernässung seien anfangs groß gewesen, stellten sich in der Praxis allerdings oft als überzogen dar. Mäcks zentrale Forderung an die Politik ist, die „Klimabauern“ für ihre Leistung, nämlich das CO₂ im Boden zu lassen, ordentlich zu bezahlen. Er spricht dabei bewusst nicht von „Förderung“, da ihr Beitrag zum Klimaschutz die eigentliche Leistung ist, die von der Gesellschaft getragen werden müsse. Dafür schlägt er einen Beitrag von 2000 Euro pro Hektar und Jahr vor, was nur 0,4 Prozent des gesamten bayerischen Haushalts ausmachen würde. Immerhin könnten aber damit 7 Prozent des bayerischen Klimagasausstoßes eingespart werden, was eine bedeutende Menge sei.
Die Landwirte Norbert Grenzebach aus Hochstadt im Landkreis Starnberg und Matthias Reißaus aus dem Landkreis Mühldorf stellten ihre Betriebe vor, auf denen sie durch geschickte Rinderhaltung vernässte Feuchtgebiete nicht nur nutzen, sondern gleichzeitig die dringend benötigte Artenvielfalt fördern.
Rainer Hoffmann vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium konnte berichten, dass 5 Millionen Euro zur Erforschung von klima- und moorbodenverträglichen Bewirtschaftungsformen ausgegeben würden. Das Ziel der Staatsregierung sei es, bis 2029 auf 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche nach dem Prinzip der Freiwilligkeit klima- und moorbodenfreundliche Maßnahmen umzusetzen. Das Bayerische Moorbauernprogramm ging im Jahr 2023 mit dem ersten Projekt an den Start. Weitere Maßnahmen zur Nutzung von nassem Grünland befänden sich in der Ausarbeitung.
Dr. Christine Margraf, die Artenschutzreferentin des BUND Naturschutz, legte ihren Fokus dann ganz auf den Artenschutz im Moor: „Ein Moor ist in erster Linie ein Ökosystem, das darf man nicht vergessen. Hier leben absolute Spezialisten, die wo anders überhaupt nicht leben können.“ So müssten die für jedes Moor typischen Lebensräume wieder hergestellt werden. Die Vielfalt trage zu einem funktionierenden Ökosystem bei, das wiederum für den Klimaschutz essentiell sei. Bereits seit 2003 gebe es Moorschutz in Bayern. Der Klimaschutzgesetzentwurf 2021 sehe vor, bis 2040 ein Viertel der bayerischen Moore, nämlich 55.000 Hektar, wieder zu vernässen. Dies seien 2.750 Hektar pro Jahr. Zwischen 2014 und 2018 sei aber nur bei 135 Hektar pro Jahr der Wasserspiegel angehoben worden. Das sind genau 5 Prozent der angestrebten Fläche.
Photovoltaik auf Moorböden hält Christine Margraf für eine ökologische Sünde. Damit die landwirtschaftliche Produktionsflächen erhalten blieben, forderte sie einen Stopp der Flächenversiegelung.

Hinten v. links: Annette Drexl stellvertretende Kreisbäuerin, Michael Nowak ROB, Johannes Enzler BN, eins weiter Matthias Reißaus, Peter Satzger BN, Rainer Hoffmann Landwirtschaftsministerium, Birgit Geurden BN Wartaweil, Günter Schorn BN, Annemarie Räder BN, Norbert Grenzebach.
Dass es beim Moorschutz einer gewaltigen Anstrengungen bedarf, um die ehrgeizigen Ziele des Klima- und Artenschutzes umzusetzen, war am Ende der Veranstaltung allen Teilnehmenden klar. Diese Anstrengung könne nur gemeinsam und im permanenten Dialog gelingen.
Veranstalter waren der BUND Naturschutz, der Bayerische Bauernverband (BBV) und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Weilheim. Diese Partnerschaft habe sich nun schon zum vierten Mal bewährt, um einen Dialog zu ermöglichen, sagten der Bauernverbands-Bezirkspräsidenten von Oberbayern, Ralf Huber, und Sabine Kahle-Sander, Regierungsvizepräsidentin der Regierung von Oberbayern, in ihrem Grußwort. „Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, ist für den Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz genau der passende Ort, um für den Klima und Artenschutz effektiv etwas in die Wege leiten zu können“, so Kahle-Sander.




