Grüne Granden in der Werkstatt: Von links: Herrsching-Chef Willi Meyerhöfer, Gemeinderat Gerd Mulert, Kreisrätin Martina Neubauer und Fraktionschef Ludwig Hartmann. Foto: Gerd Kloos

Spitzenkandidat Hartmann: Mit Energiewende Geld verdienen

2 mins read

Man tut Ludwig Hartmann Unrecht, wenn man ihn als „Regionalausgabe von Robert Habeck“ bezeichnet. Der Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen hat sich beim Herrschinger Werkstatt-Gespräch der Grünen als profunder Energie-Experte ausgewiesen – er kam eine Stunde lang ohne jede Politiker-Phrase aus. „Es gibt einen Zeitpunkt, an dem man Technologie-Sicherheit braucht“, sagte Hartmann und sprach sich damit gegen die Wasserstoff-Euphorie seiner politischen Gegner aus. „Energiewende jetzt und nicht erst 2030″, beschwor er sein Publikum. Unter der Rubrik „fernere Zukunft“ diskutierten Besucher auch über die Chancen der Geothermie in Herrsching. Bürgermeister Schiller kühlte die Erwartungen an das „120 Grad warme Wasser“ aus Herrschings Tiefen ab: „Es hat sich bisher kein Investor gefunden, der 20 Millionen Euro für eine Bohrung auf den Tisch legt.“

Hausherr Wolfgang Darchinger: Holz ist viel zu schade zum Verbrennen

Hier wird gearbeitet und nicht geschwafelt – das war die Botschaft der Grünen in der Werkstatt der Schreinerei Darchinger. Die Hausherren Wolfgang und Seniorchef Otto Darchinger freuten sich über ein volles Haus mit Gästen, die der Klimawandel nicht mehr so hart treffen dürfte. Darchinger machte seinen Zuhörern klar, dass Holz viel zu schade zum Verbrennen sei.

Ludwig Hartmann nahm den Faden, oder um im Bild zu bleiben, die Faser gleich auf und bestätigte: Ohne Handwerk gibt es keine Energiewende. Und die, so der ehemalige Landsberger Stadtrat, müsse jetzt in 8 Jahren gestemmt werden, weil die Vorgängerregierung sie 16 Jahre lang versäumt habe. Die Technik dafür sei vorhanden: Sonne und Wind als Hauptproduzenten und Biomasse als Stromlieferant für die Nacht seien die Energie-Lieferanten der Zukunft. „Wir müssen jetzt schnell 200 Windanlagen in Bayern bauen“, berichtete Hartmann. „Und das mit besten Gewinnerwartungen: Die Gemeinde Berg hat eine tolle Windausbeute mit ihren Windmühlen und die Prognosen deutlich übertroffen.“ Die Mustergemeinde Fuchstal zum Beispiel habe viel Geld verdient mit den Erneuerbaren Energie-Anlagen.

400 Windanlagen in bayerischen Staatsforsten

Allein in bayerischen Staatsforsten könne man in den nächsten 4 Jahren 400 Windanlagen bauen. Auch der Verbraucher profitiere davon: Am 15. Januar dieses Jahres sei der Strom zu 97 Prozent aus sauberen Quellen gekommen – und habe zu einem Strompreis geführt, „der fast im Negativen war“. Um die Wende aber zu schaffen, müssten auch gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden. Es müsse, so Hartmann, künftig erlaubt sein, die Stromnetze vorausschauend auszubauen und sich nicht nur am aktuellen Bedarf zu orientieren. Auch für Vermieter müsse es künftig lukrativ sein, in die Energiewende zu investieren. Bisher habe es keinen Anreiz gegeben, alte Heizanlagen rauszuwerfen und neue, effizientere Wärmelieferanten zu installieren.

Geothermie: Risiko-Fonds für Investoren

Beim Thema Geothermie stieg die Aufmerksamkeitskurve des Publikums deutlich an: Längst hatte sich ein Herrschinger die Bergrechte (Claims) gesichert, aber noch keinen Investor für Probebohrungen gefunden. Die Grünen schlugen deshalb einen Risiko-Fonds von 100 Millionen Euro vor, der Geothermie-Unternehmer gegen Fehlbohrungen absichern solle. Sei eine Bohrung erfolgreich, genieße der Investor die Gewinne aus dem warmen Erdwasser. Stoße der Bohrmeißel aber nicht auf heißes Wasser, bekomme er Geld aus dem Risiko-Fonds.

Hartmann streifte noch viele weitere Energiethemen wie Wärmepumpen, die Seen und Flüsse anzapfen und dem Wasser die Wärme entziehen (in Tutzing gibt es bereis Überlegungen dazu). Hartmann plädierte auch für Kooperation von Gemeinden: „Wir dürfen keine Kirchturmpolitik betreiben.“

2 Comments

  1. Die Regierung hat für den Klima- und Transformationsfonds bereits 177,5 Mrd.€ bis 2026 in den Bundeshaushalt eingestellt. Auch wenn das mit dem Risikofonds von 100 Mio. eine auf der Hand liegende Idee ist, sollte man bedenken, dass damit maximal 3-4 erfolglose Projekte versichert werden können. Ich hoffe doch, dass die Privatwirtschaft das wirtschaftliche Potenzial bereits erkannt hat und die Politik eher darum bemüht ist, die bürokratischen Hürden für erfolgsversprechende Projekte abzubauen und die Entscheidungswege klarer zu definieren. Wie man in Herrsching immer wieder versucht, das Projekt totzureden mit immer wieder neuen fadenscheinigen Behauptungen ist unerträglich. Was meinte Herr Schiller denn mit den Erwartungen an das 120 Grad heiße Wasser? Diese Temperatur wäre für eine wirtschaftliche Wärme- und Energiegewinnung nämlich absolut ausreichend. Hat er sich denn selbst um Investoren oder um einen unternehmerfreundlichen Standort u.a. für Umwelttechnologie bemüht?

  2. Für weiterhin am Thema Interessierte empfehle ich, sich die gestrige Sendung „Markus Lanz“ in der Mediathek anzuschauen (u.a. mit Robert Habeck).
    Sehr interessant, weil es dabei auch um die vielfältigen Hindernisse ging, die dem Ausbau der Nutzung der regenerativen Energien in Deutschland im Weg stehen, und die – endlich – beseitigt werden sollten.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Aktuellste Meldungen

Heiraten im Stundentakt

Ein Paar ist katholisch und will heiraten. Das funktioniert leider nicht, weil Geschiedene in der katholischen