Am Montag entscheidet der Gemeinderat, ob das Containerdorf ein weiteres Jahr Gnadenfrist bekommt bis Ende ’24. Inzwischen hat sich zum Thema Verlängerung des Gemeindepachtvertrags mit dem Landkreis auch eine prominente Stimmen aus Herrsching gemeldet. Der evangelische Pfarrer Ulrich Haberl wendet sich in einem Offenen Brief an die Herrschinger Gemeinderäte.
Liebe Mitglieder im Gemeinderat,
zu den vielen wichtigen Entscheidungen, die Sie zu treffen haben, gehört auch die über die nahe Zukunft des Containerdorfs an der Goethestraße. Ich bin ja immer noch „Neubürger“ in Herrsching und nicht vertraut mit den vielen Aspekten, die Sie bei Ihrer Entscheidung abzuwägen haben. Deshalb kann ich kein Ratgeber sein. Und als Pfarrer bin ich in politischen Fragen sicher nicht der „Besserwisser“, der Sie zu belehren hätte. Die Zeiten klerikaler Überheblichkeit sind – Gott sein Dank! – vorbei.
Was ich Ihnen als Pfarrer sagen möchte, ist eine Bitte: Ich bitte Sie darum, bei Ihrer Entscheidungen zu bedenken, dass davon Menschen betroffen sind, die sich nach einer Heimat sehnen. Frauen, Männer, Kinder, die ihre Heimat verlassen mussten und die jetzt froh sind für jeden Zipfel neuer Heimat, den sie erhaschen können. Und wohl auch voller Sorge und Angst, ihn wieder zu verlieren.
Ich beneide Sie nicht um die Verantwortung, die Sie als politische Entscheider immer wieder zu tragen haben. Besonders in Situationen, die in das Leben von Menschen so stark eingreifen. Ich wünsche Ihnen einen guten Geist bei Ihrem Beraten und bei der Entscheidung, die Sie treffen.
Herzliche grüßt als Evangelischer Pfarrer und als Mitbürger
Ulrich Haberl





Sorry, ich wollte keinen konfessionellen Wettstreit initiieren. Wahrscheinlich hat Pfarrer Rapp den offenen Brief auf Herrsching online noch gar nicht gelesen. Es beschäftigt mich nur, wie das mit den Menschen, die gerne bei uns bleiben wollen, weitergehen könnte. Auch nach einer Verlängerung stellt sich doch die Frage, ob wir nicht einen anderen Platz für die Baracken in Herrsching oder Widdersberg brauchen. Die Integration unserer neuen Familien gelingt sicher besser, wenn sie nicht viele Jahre in einem „Containerdorf“ leben müssen. Heidi Körner
Das ist auf jeden Fall richtig, Frau Körner. Nur hat sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt noch weiter verschärft durch eine große Anzahl ukrainischer Flüchtlinge, die ebenfalls auf der Suche nach Wohnraum sind.
Hallo Frau Boeckelmann, bei uns in Breitbrunn dümpelt seit Jahren das soziale Projekt „Klosterwiese‘. Warum braucht das bei uns so lange, dass da schneller genehmigt wird. Unser Bürgermeister und der Gemeinderat tut da doch sein Bestes. Auch haben wir in Breitbrunn ein altes Haus, das seit vielen Jahren leer steht und verfällt. Jetzt kann nur noch der Marder mit anderen Wildtieren drin leben und das finde ich in Sachen Naturfoerderung etwas übertrieben.
Ich bin in keiner Kirche verankert, mich hat nur gefreut, dass von vielen Seite eine klare Meinung kommt. Denk das ist am wichtigsten
Für die freundlichen Kommentare danke ich herzlich. Eines muss ich aber noch dazu loswerden. Ich hatte mich relativ kurzfristig entschieden, dass ich in dieser Situation aus meiner Sicht etwas sagen möchte – mit großem Respekt vor der Verantwortung, die der Gemeinderat trägt. Es war mir wichtig das in meinen Worten zu sagen. Deshalb habe ich dieses Votum, das kein „offizielles Hirtenwort der Herrschinger Kirchen“, sondern ein persönlicher Beitrag eines Pfarrers nicht mit meinem katholischen Kollegen abgestimmt.
Ich wollte damit keinen Überbietungswettbewerb lostreten, ob sich die Katholiken oder die Protestanten mit wichtigeren oder progressiveren Beiträgen zu Wort melden. Als ich vor zwei Jahren an den Ammersee kam, habe ich mit großer Freude das herzlich, respektvolle und offene ökumenische Miteinander wahrgenommen, hier in Herrsching und auch mit den anderen ökumenischen Partnern unserer Evangelischen Drei-Seen-Gemeinde. Davon profitieren wir als die wesentlich kleinere Gemeinde in besonderer Weise. Ich bin meinem katholischen Kollegen Simon Rapp dankbar für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit, zu der er mich von Anfang an eingeladen hat.
Ich bitte also darum: Wenn einer von uns sich mit seinen Worten zu einem Thema äußert, nicht davon auszugehen oder zu vermuten, dass dem anderen diese Frage nicht wichtig ist. Ich bin mir sicher, dass unser Denken und unser Einsatz als Pfarrer vom gleichen Geist beflügelt wird.
Ulrich Haberl
Ja, das Wort „ asyldorf“ finde ich schon lange unpassend. Das klingt so nach Getto, schlimm. Dem Pfarrer meine Hochachtung
Die historische Analogie zur (vergeblichen) Herbergsuche von Maria und Josef in Bethlehem ist bei dieser Entscheidung des Gemeinderats nicht zu übersehen.
In der Advendtszeit, der Vorbereitungszeit der Christen auf Weihnachten, gebietet es sich gerade für die Kirchen, sich auf die Seite der modernen wohnungssuchenden „Fremden“ zu stellen, wie es Pfarrer Haberl dezent und zugleich eindringlich gemacht hat.
Habe ich eigentlich das Statement der katholischen Kirchenvertreter dazu überlesen?
Ja, das beschäftigt mich zur Zeit auch. Es rufen unsere beiden christlichen Kirchen mit Adveniat und Brot für die Welt zu hilfsbereitem Handeln und mehr Solidarität auf. Da können wir doch auch vor unserer Haustür dem Helferkreis helfen. Übrigens leuchtet mir der Begriff Asyldorf Herrsching nicht so recht ein. In der deutschen Geografie ist einem „Dorf“ ein Mindestmaß an Infrastruktur wie Kirche, Post, Gasthof, Läden und Bürgermeister zugeordnet. Vielleicht meinen die Verantwortlichen deshalb, dass die Container gar nicht zu Herrsching gehören und nichts mit uns zu tun haben. Vielleicht…
Frau Voit, ich bin mir ziemlich sicher, dass unser derzeitiger katholischer Pfarrer ähnlich denkt wie Pfarrer Haberl.
Man möge ihm nachsehen, dass er nicht genau die gleiche Idee eines Offenen Briefes hatte.
Im Namen des Herrschinger Aganda 21 Asylhelferkreises bedanke ich mich für Ihre guten Worte, Herr Haberl.
Franz Bissinger
Sprecher des Asylherfkreises
Ja, ich finde den offenen Brief auch inhaltlich und formell sehr passend und für unser soziales Miteinander in der Gemeinde gut. Dass Herr Haberl sich auch in seinem Amt als Pfarrer an den Gemeinderat wendet, finde ich durchaus berechtigt. Vielleicht kommt auch noch von der katholischen Seite ein christlicher Beitrag, aber das muss jeder Verantwortliche für sich selbst entscheiden. Heidi Körner, Breitbrunn