Die fleißigen Hände, die viele Menschen satt machen, wurden ausnahmsweise mal in den Schoß gelegt: Für die Helferinnen und Helfer der Herrschinger Tafel rührten sich am letzten Donnerstag andere Hände – zum Applaus. Die Trägerinitiative Do It e. V. um den IT-Unternehmer Ottmar Flach hatte zur Jahresfeier in den Herrschinger Segelclub eingeladen. Wieviele Räder ineinander greifen müssen, um jede Woche 70 bedürftige Familien mit Lebensmitteln zu unterstützen, sieht man auf diesem Bild: Die Leiterin der Herrschinger Tafel, Karen Bauer (dritte von links) konnte 15 Unterstützerinnen und Unterstützern ihr persönliches Dankeschön ausdrücken. Obwohl die Feier im feineren Ambiente des Segelclubs stattfand, gab’s selbstverständlich keinen Champagner, sondern sozialadäquat Federweißen mit Zwiebelkuchen. Den Gruß und Dank der Gemeinde überbrachte der Dritte Bürgermeister Wolfgang Schneider.
Die Logistik, die hinter der Tafel steckt, gleicht der Lieferkette eines kleinen Betriebs: 10 Fahrerinnen und Fahrer klappern jeden Mittwoch 15 Supermärkte, Metzger und Bioläden ab und bringen die Waren frisch auf die Tafel in der Bahnhofsstraße 38, Eingang Ladestraße. 4 Helferinnen und Helfer nehmen die Lebensmittel an und verstauen sie fachgerecht in Kühlschränken und Regalen. Jedes Verbrauchsdatum, jede Angabe zur Mindesthaltbarkeit wird geprüft. Haben Fleisch- und Fischwaren das Verbrauchsdatum hinter sich, werden sie aussortiert, beim Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums ist die Toleranz größer. Die zweite Schicht baut vor der Ausgabestelle Tische auf. Diese „Außenmitarbeiter“ prüfen auch die Ausweise der „Kunden“ (Tafel-Sprech), denn bezugsberechtigt sind nur Personen mit besonderem Status. Schnorrer haben keine Chance. Helferinnen im Haus suchen nach der Ausweiskontrolle die passende Karteikarte für den registrierten Kunden. Auf diesen Karten ist genau vermerkt, was die oder der Bedürftige nicht verträgt (Allergien) und gegen was die Geschmacksnerven „allergisch“ sind: Wer zum Beispiel Zwiebeln nicht ausstehen kann, bekommt auch keine. So liegt im Korb eines Kunden, was ihm gut tut – und was ihm schmeckt.
Diese wunderbare Einrichtung in Herrsching hatte Karen Bauer 2007 nach Rücksprache mit dem Landratsamt ins Leben gerufen. Anfangs war die Tafel noch im Evangelischen Gemeindehaus notdürftig untergebracht, bis sich die „Insel“ anbot. Als rechtliche Trägerin fungiert die DO IT e. V. in Planegg.
Lebensmittelspenden sind natürlich auch von Privatpersonen herzlich willkommen. So konnten wir beobachten, wie eine Herrschingerin Lebensmittel für 200 Euro im Kofferraum ihres SUVs anschleppte – frisch im Supermarkt erworben. Und was ist zur Zeit besonders begehrt, Frau Bauer? Die Tafel-Chefin freut sich zum Beispiel über
• Kartoffeln
• Zwiebeln
• Fischkonserven
• und besonders über die kochfertigen Spätzle. Auch Brühwürfel fehlen zur Zeit.
Dann denken Sie, wenn Sie mittwochs beim Einkauf unterwegs sind, mal an die Leute, „die es nicht so dicke haben“, wie es im Politiker-Sprech heißt. Die fleißigen Hände der Herrschinger Tafel sind jeden Mittwoch ab 11 Uhr aufnahmebereit.




