Der Glühwein-Gipfel findet statt

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Und es gibt ihn doch: Der Christkindlmarkt findet dieses Jahr zum 41. Mal statt. Vom 10. und 11. Dezember ist an der Evangelischen Kirche Vorglühen angesagt. Vereine und Gewerbetreibende können sich bis zum 10. November im Rathaus oder auf der Website der Gemeinde anmelden. Die Gemeinde legt Wert auf einen weihnachtlichen Charakter des Marktes – hochwillkommen sind handgefertigte Artikel, Selbstgebasteltes und Hausgemachtes.

Bürgermeister Schiller war erkennbar kein Fan des Weihnachtsmarktes. In der Sitzungsvorlage ließ er die Gesamtkosten von 32 000 Euro auflisten. Die Arbeitsstunden des Bauhofs, mit 13 500 Euro veranschlagt, sind dabei nur buchhalterisch relevant. Eine Absage hätte auch kaum als Energiesparmaßnahme getaugt – es fallen nur 500 Euro Stromkosten an. Als alle noch unter dem Eindruck der unausgesprochenen Absageempfehlung der Verwaltung standen, meldete sich Gemeinderat Alexander Keim: „Ich habe gerade ein Déjà-vu-Erlebnis“, warf er sich für den Christkindlmarkt ins Zeug, „es hängt doch jeder Familie zum Hals heraus, sich ständig einschränken zu müssen.“ Wegen des Christkindlmarktes in Herrsching werde es keinen Blackout in Bayern geben. Auch BGH-Rat Rainer Guggenberger trat für den Markt ein: „Ich will jetzt nicht mit dem Totschlag-Argument Wiesn kommen,“ meinte er und hatte damit das Argument schon in die Runde geworfen. CSU-Rätin Hannelore Doch gab zu bedenken, dass der Frauenbund und die Insel schon abgesagt hätten. Die Waagschale zugunsten des Marktes neigte sich endgültig, als Anke Rasmussen für den Glühwein-Gipfel votierte.

Die Abstimmung fiel klar aus: einstimmiges Votum für den Markt. Da geht doch wieder ein Licht auf im Gemeindekalender.

Viele Lichter aber werden es nicht in der Adventszeit werden: Dem Zeitgeist folgend, verzichtet die Gemeinde auf die Festbeleuchtung über den Straßen und investiert etwas mehr Geld in Christbäume. Die Abstimmung über die Weihnachtsbeleuchtung war übrigens umkämpft: 11 Räte wollten den Glitzerglanz nicht missen, sie waren aber in der Minderheit.

7 Comments

  1. Der Homo sapiens ist eine Spezies, die nicht allein um des Überlebens Willens auf der Erde ihr Dasein fristet, liebe Frau Böckelmann. Wie Herr Kloos ja schreibt, ist das Energieeinsparpotenzial mit 500€ überschaubar.

    Wir können die Welt gemeinsam gerne auf andere Art und Weise retten.

    • PS: Dass die Weihnachtsbeleuchtung abgelehnt wurde, wird die Gewerbetreibenden, die immer noch 2,5 Corona verdauen müssen sicher nicht freuen. Und auch hier war vollkommen unklar, ob wir LED Beleuchtung haben oder Zeitschalter verwendet werden können.

    • Ach, Herr Keim…. nachdem Sie mich schon direkt ansprechen….
      Ohne das Überleben ist alles nichts. Der Homo sapiens ist gerade dabei, die Grundlagen dafür unwiderruflich zu zerstören.
      Sollten wir uns nicht allmählich Gedanken darüber machen, was wir wirklich brauchen und was vielleicht doch entbehrlich wäre?
      Die Weihnachtsbeleuchtung gehört für mich jedenfalls zu den eher überflüssigen Dingen.
      Beim Christkindlmarkt sehe ich das ein bisschen anders, weil das ein beliebter Treffpunkt für die Herrschinger ist und soziale Kontakte gerade nach 2,5 Jahren Pandemie enorm wichtig sind. Außerdem dauert er ja nur 2 Tage – die Weihnachtsbeleuchtung hätte uns ja wieder volle 4 Wochen erfreuen sollen. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass sie die Konsumfreudigkeit so enorm ankurbeln würde, dass sie den Herrschinger Geschäftsleuten zugute kommen würde.

      Mal so eben „gemeinsam die Welt retten“? Gute Idee, nur funktioniert das in der „Großen Politik“ gerade auch nicht besonders gut…. dazu sind die Vorstellungen wohl zu unterschiedlich.

      • Unser potenzieller Beitrag zum Weltklima (oder dessen Rettung) liegt bei 2%. Keiner konnte am Montag in irgendeiner Form Fakten auf den Tisch legen zur Weihnachtsbeleuchtung. LED (ja/nein?), Zeitschalter (ja/nein?).

        Wenn ich mir anschaue, was in den USA, Asien und dem mittleren Osten an Weihnachten aufgefahren wird, muss ich einfach festhalten, dass unsere Bemühungen zwar löblich, aber absolut irrelevant sind. Warum gehen wir nicht die großen Themen an? Graue Energie in der Baubranche, Einsatz von Schweröl in der Hochseeschifffahrt kommerziell (durch LNG Terminals verstärkt) und Freizeit?

        Es ist halt einfach im typisch Deutschen Klein-Klein mit dem Zeigefinger auf die kleinen Sünden hinzuweisen, sich aber um die großen Themen herumzuwinden.

        Wir müssen gerade in Krisenzeiten auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung achten und uns langsam mit Volkserziehungsmaßnahmen zurückhalten.

        • Man sollte, neben grundsätzlichen Forderungen, den Umweltschutz im eigenen Umfeld nicht aus den Augen verlieren.
          Beim Reduzieren der grauen Energie im Baubereich haben Sie, Herr Keim, ja löblicherweise schon mitgeholfen (Kinderhaus).
          Bei der Einschränkung der Weihnachtsbeleuchtung ging es mir vor allem um die Vorbildfunktion der Gemeinde. Ich finde, man kann nicht an die Bürger appellieren, die Heizung um 2 Grad zurückzudrehen, und im öffentlichen Raum geht die Verschwendung ungebremst weiter.

          • Darum setzt sich meine Fraktion auch für das Voranbringen des Geothermieprojektes ohne Scheuklappen und wirtschaftlichen Interessen ein. Wir selbst haben auch die Bevölkerung zu nichts aufgerufen. Der Sitzungssaal im Rathaus ist auf 19 Grad runter temperiert. Aktuell entwickeln sich die Gaspreise wieder in eine ganz andere Richtung. Am Spotmarkt müssen Anbieter teilweise sogar dafür bezahlen, dass ihnen das Gas abgenommen wird. Die Verlängerung der AKW-Laufzeiten hat die erhoffte Preiswirkung also nicht verfehlt.

            Ich kann daher nur raten, mit diesen gut gemeinten Ratschlägen und Aufrufen vorsichtiger zu sein. Oft kann man dabei mit der dynamischen Weltwirtschaft nicht mithalten. Und ich würde nie die Selbstverantwortung und Vernunft der Menschen unterschätzen.

  2. Wir Bürger werden in der jetzigen Situation zum Energiesparen aufgerufen, da sollte doch die Gemeinde mit gutem Vorbild vorangehen.
    Weihnachtsbeleuchtung in dem Ausmaß, wie sie in den letzten Jahren angebracht wurde, ist nun wirklich nicht überlebensnotwendig.

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