Das Café Blabla in der Bahnhofstraße, Herrschings bekanntestes unbekanntes Lokal, blieb den Juroren der Süddeutschen Zeitung nicht verborgen. Der interkulturelle Treffpunkt mit vielen Hilfsangeboten für Geflüchtete wurde in einer Feier im Künstlerhaus am Lenbachplatz mit dem Tassilopreis für Soziales geehrt. Überreicht wurde der Preis von der Pianistin Sophie Pacini. Gestiftet wird der Sozialpreis vom SZ-Adventskalender. Das Café wird von Ehrenamtlichen betrieben, die sich 2016 zum Verein „Wir schaffen das e.V.“ zusammengeschlossen haben.

Ohne die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern hätten die meisten Geflüchteten keine Chance, in Deutschland Fuß zu fassen. „Ein Café Blabla sollte es eigentlich in jedem Ort geben“, fand auch die Geschäftsführerin des SZ-Adventskalenders, Anita Niedermeier.
Motoren des umtriebigen Vereins ist unter anderen das Künstlerpaar Silvana und Thomas Prosperi, noch besser unter dem Künstlerlabel Faltsch Wagoni bekannt. herrsching.online hatte anlässlich eines Konzert im Kurparkschlösschen mit Silvana Prosperi über die Geflüchteten-Arbeit gesprochen:
herrsching.online: Was macht Ihr im Blabla?
Silvana Prosperi: Es ist uns wichtig, dass auch die normale Bevölkerung mit den Geflüchteten zusammentrifft. Das Blabla will helfen, dass die Geflüchteten Hürden überwinden können, auf Termine vorbereitet werden, Dolmetscher bekommen. Wir helfen Geflüchteten, die noch gar nicht bereit sind für einen richtigen Deutschkurs, ihre Scheu zu überwinden und sich auf die neue Sprache einzulassen.
herrsching.online: Welche Nationalitäten kommen zu Euch?
Silvana Prosperi: Wir haben in Herrsching sehr viele Afghanen, Eriträer, Iraker, Iraner, eher weniger Afrikaner. Ein Anliegen ist uns auch, dass Ukrainerinnen und Ukrainer zu uns kommen.
herrsching.online: Und wie sieht’s mit der Ausbildung der Geflüchteten aus?
Silvana Prosperi: Seit Jahren haben wir hier im Landkreis Arbeitgeber, die ausbilden. Und dann kommt es vor, dass Leute mitten in der Ausbildung oder nach dem Abschluss der Ausbildung abgeschoben werden. Es wird darüber diskutiert, dass wir Leute von irgendwoher holen, dabei hätten wir hier genug Geflüchtete, die anpacken können und wollen. Ich bin absolut dafür, dass wir einfach mal beschließen, die Afghanen, wenn sie unbescholten sind, hierzubehalten.
herrsching.online: Wo nehmen Sie Ihre Motivation her, sich so stark zu engagieren in der Flüchtlingshilfe?
Silvana Prosperi: Ich bin ja halbe Italienerin. Mein Vater war Schneider, der hatte es in Deutschland auch nicht immer einfach. Seine Ausbildung wurde hier nicht anerkannt. Meine Mutter, die noch lebt, sagte mir kürzlich, dass sie das gar nicht glauben könne, dass die Berufsausbildungen der Menschen, die zu uns kommen, immer noch nicht anerkannt werden.
herrsching.online: Deutschland, ein unflexibles Land?
Silvana Prosperi: Die Prozesse in Deutschland sind manchmal ermüdend, zermürbend.



