Ministerpräsident Markus Söder legte die Messlatte schon mal hoch. Er habe ein Abitur mit der Gesamtnote 1,3 abgeliefert, Eltern sollten also die Hoffnung nicht aufgeben, wenn’s bei den Kindern mal nicht so gut laufe. Dass das neue Gymnasium vielleicht sogar eine Eins mit Stern bekommt, daran ließen die Festredner bei der Grundsteinlegung am Freitag keinen Zweifel. Bürgermeister Schiller ist sich sogar sicher, dass die neue vierzügige Schule Bayerns schönstes Gymnasium werde. Der Leitende Architekt Felix Schürmann vom Büro Schürmann Dettinger lobte mit Nachdruck das Landratsamt, das zusammen mit den Architekten ein eigenes, hoch variables Schulkonzept entwickelt hatte. Der glücklichste Mann am Pult war denn auch der Bauherr Landrat Stefan Frey. „Ein Schüler, der im Landkreis wohnt, sollte auch im Landkreis zur Schule gehen können.“
Und was ist so überraschend neu an diesem Konzept? Mitgedacht und mitgeplant ist ein fortschrittliches Lernhauskonzept: Professor Schürmann schwärmt vom Lernen, das „selbstverantwortet“ funktioniert und den traditionellen Frontalunterricht soweit wie möglich ersetzen soll. Die Schule, so Schürmann, sei wie eine Wohnung organisiert. Für die bayerische Schulphilosophie also ein Paradigmenwechsel – das Ku-Mi in München (Lehrersprech für Kultusministerium) galt nicht als Brutstätte für alternatives Lernen.
„Wir handeln nicht, weil es uns an Wissen mangelt. Es mangelt an einer solidarischen Gesellschaft. Welcher Ort wäre geeigneter als eine Schule, einen Codex für solidarisches Handeln zu entwickeln.“
Prof. Felix Schürmann zum Thema Klimawende
Das zweigliedrige Gebäude liegt auf einem Betonsockel, aber die beiden oberen Geschosse werden aus Buchenholz entstehen. „Mit diesem Werkstoff Holz haben wir die konstruktive Entsprechung zu dem kostbaren Grundstück“, sagt Professor Schürmann im herrsching.online-Interview. Schürmann ist die ökologische Brisanz von Beton sehr bewusst. Deshalb fiel die Wahl des Baustoffs für die beiden oberen Geschosse auf eine Leimbinder-Konstruktion aus Buchenholz.
Das Erdgeschoss schiebt sich zum Teil in den Hang und bildet den Sockel für die beiden Geschosse. Sie sind in vier Einzelhäuser aufgeteilt. Im Untergeschoss der Schule liegen Technik- und Lagerräume und die Tiefgarage für 80 Autos, 230 Fahrräder und 10 Motorräder. Über das Untergeschoss angebunden entsteht westlich der Schule die Dreifachturnhalle. Die Umkleiden- und Nebenräume befinden sich weitgehend unter den Außenanlagen. Dort macht sich auch der Sportplatz breit.
Dieses Konzept gilt als hochmodern – so wie die Kosten, die sich – ebenfalls hochmodern – auf 96,7 Millionen hochgeschraubt haben. Damit ist das Gymnasium, betonte der Landrat in seiner Rede, die größte Investition, die der Landkreis je gestemmt hat. Aber was, so Frey in einem Aphorismus, sei noch teurer als Bildung? Klar, Nicht-Bildung. Er begrüßte unter den 150 geladenen Gästen mehrere Dutzend wichtiger Leute (der prominenteste Gast kam etwas später) und vergaß auch nicht, die Nachbarn des Gymnasiums in seinen Dank einzuschließen. An einem solchen Feier-Tag sind alle Querelen und alle Einsprüche der Nachbarn gegen den Bebauungsplan der Gemeinde vergessen – unvergessen aber ist die Gemeinderatssitzung, in der die Bauamtsmitarbeiterin Melanie Faude 50 Seiten Einsprüche und Entgegnungen verlesen musste. Ein solches Bauvorhaben, Landrat Frey wusste es zu würdigen, macht den Behörden in Starnberg und in Herrsching „sehr, sehr viel Arbeit“.
Bürgermeister Christian Schiller bejubelte – bestens gelaunt – diesen Freudentag für die Herrschinger und alle Schüler, denen im Schuljahr 2024 – 2025 der weite Weg nach Gilching, Germering und andere Landkreis-fremde Schulen erspart bleibt. Herrsching, ließ er durchblicken, sei dann so attraktiv, dass auch die Finanzschule weiter zur Seegemeinde passen würde. Gleich nach seinem Amtsantritt habe er die Zahl der Schüler ermitteln lassen, die sich ihre Bildung mit dem Schulbus „erfahren“ müssen. Er erinnerte auch an die legendäre Demo in Herrsching, in der einige hundert Menschen durch die Straßen zogen und mit Ludwig-Spaenle-Masken ein Gymnasium forderten. Organisiert hatte diese Bildungs-Bewegung der Förderverein unter der Leitung von Sonja Sulzmaier und Jens Waltermann.
Zur Hardcore-Pressure-Group gehörte auch die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig. Sie erzählte in ihrer Rede, dass sie sehr nervig gewesen sei und beim damaligen Ministerpräsidenten Seehofer „viel gebohrt“ habe. Schließlich habe der in Andechs versprochen: „Ihr bekommt Euer Gymnasium“. KuMi-Chef Spaenle, so wird heute berichtet, sei gegen das Herrschinger Gymnasium gewesen, ebenso wie Finanzminister Markus Söder, den man in einer Ministerratssitzung überzeugen konnte.
Landrat Frey, glücklich über dieses Happyend, aber unglücklich über die Zeitumstände („Man kann sich die Zeiten nicht aussuchen“) versicherte, dass man trotz der spürbaren Kriegsfolgen dieses Projekt abschließen werde.
Ministerpräsident Söder, mit kleinem Geleitzug unterwegs, verspätete sich leicht, weil er bei einem Apfelfest „noch einen Apfelschnaps trinken musste“. Als Gastgeschenk brachte er das Kompliment mit, dass der Landkreis Starnberg einer der schönsten Kreise in Bayern und damit Deutschlands sei (die vielen Millionen Zuschüsse aus der Freistaatskasse streifte er nur kurz). Den Entwurf der Architekten nannte er wegen seiner Originalität eher einen „Robinsonclub“ als eine Schule. Hier mache sogar Latein Spaß. Er sei sich sicher: „Das wird eines der schönsten Gymnasien Bayern. „








